der winter ist eine einladung zum ausruhen und zusichkommen. zum nachfühlen und wirkenlassen. zum distanzgewinnen und erwägen: zum wiederholen und begreifen. zum vertiefen und auskosten. zum raumgeben und beherzigen. zum verdauen und verarbeiten. zum ertragen und durchstehen. zum kraftholen und widerstehen. zum demutlernen und verzeihen. zum danken und loben.
der winter ist eine einladung zum schauen und hören. zum schmecken und riechen. zum tasten und fühlen. zum wohnen und geniessen. zum erzählen und singen. zum spielen und tanzen. zum diskutieren und pläneschmieden. zum basteln und werken. zum stricken und schneidern. zum musizieren und malen. zum dichten und vorlesen. zum drandenken und briefeschreiben. zum bücherlesen und wiederlesen. zum phantasieren und erfinden. der winter ist eine einladung zur lebenskunst.
(bruno und vreni dörig-hug )
wurzeln und wind
mich in die erde verwurzeln mich ergründen in die tiefe gehen halten und gehalten werden heimat und quelle sein und werden
den himmel umarmen im wind stehen und weit sein sehnsüchtig bereit und offen blätter raunen äste tanzen liebkost- umspielt zerzaust-gepackt
wurzeln und wind tiefe und weite heimat und herausforderung
und der weg beginnt
(andrea schwarz)
beflügelt
im anfang noch unsicher zu sehr im verstand dann werde ich bewegt durch die kraft der musik und der gemeinschaft
es ist wie wenn feuer durch mich fliessen würde
kraft tanzt durch mich
zwischen himmel und erde lasse ich mich beflügeln zum tanz der mich mit allem verbindet
nach p.stutz
Voll Blüten
Voll Blüten steht der Pfirsichbaum nicht jede wird zur Frucht, sie schimmern hell wie Rosenschaum durch Blau und Wolkenflucht.
Wie Blüten gehn Gedanken auf, hundert an jedem Tag – Lass blühen! Lass dem Ding den Lauf! Frag nicht nach dem Ertrag!
Es muss auch Spiel und Tanze sein und Blütenüberfluss, sonst wäre die Welt uns viel zu klein und Leben kein Genuss.
nach Hermann Hesse
"Tanz ist schweigende Poesie
- die Poesie ist schweigender Tanz."
Simonides
...und wenn die Tänzer und Musiker kommen, so nehmt von ihren Gaben, denn was sie bringen, obwohl aus Träumen geschaffen, ist Kleidung und Nahrung für die Seele....
nach Khalil Gibran
oh du Tanz zur Quelle
leise und zart lebendig und fruchtbar menschenfreundlich und liebend achtsam und ehrlich aufrichtig und echt
du Tanz des Lebens du geliebte Quelle meines Seins
(nach Kurt Gisler)
Wirf deine Schuhe weg und tanze lass die Musik deinen Körper erobern und deine Seele schliess deine Augen und träume tanze und träume und tanze die Liebe tanze und träume und tanze das Leben tanze und tanze und tanze
Ob ein Mensch glücklich ist, hängt weder vom Geld noch vom Körper ab, sondern ob er mit sich zurechtkommt. (Demokrit)
Die Kräfte der Welt Alle Kräfte der Welt wirken in Kreisen. Der Himmel ist rund, und wie ich höre ist die Erde rund wie eine Kugel, und ebenso alle Sterne. Wenn der Wind am heftigsten weht, bildet er runde Wirbel. Die Vögel bauen ihre Nester kreisrund, den sie haben die gleiche Religion wie wir. Die Sonne geht in einem Kreis auf und wieder unter. Der Mond macht es ebenso, und beide sind rund. Sogar der Wechsel der Jahreszeiten bildet einen grossen Kreis und kehrt immer wieder dorthin zurück, wo er begann. Das Leben des Menschen ist ein Kreis – von Kindheit zu Kindheit -, und so ist es mit allem, worin sich die Kraft der Welt regt.
(Black Elk, um 1930)
Dort draussen,
wo ich mich hinwende,
das bin ich.
Und der weite Horizont öffnet sich
wie eine Blume in meinem Herzen.
Erst seit ich tanze lebe ich
vorher habe ich nicht existiert.
Wo immer der/die Tanzende mit dem Fuss auftritt,
da entspringt dem Staub ein Quell des Lebens.
(Rumi)
"Alles wahre Leben ist Begegung." Buber
Herbst
Herbstblätter, Tränenschwere, dunkle Schatten, Abschied wieder- doch die Nähe, die gelebte, nicht verlieren, anderenortens weitertragen, und das Leuchten unserer Seelen, das die Liebe und der Tanz entzündete, wirken lassen warm und hell.
nach einem Text von Ch. Spilling-Nöker
Denn der Tanzt
“...kommt zusammen, wo tanzend man sich trifft
wo erfahrungen des lebens schritte sind
sonne, kreuz und ahnen, hochzeit und tod und lebenskraft
liegt verborgen in dem reigen, der das lied erschafft”
Arno Münz
Tänzerin von Silja Walter (dieses Gedicht hat sie im Alter von 19 Jahren geschrieben!)
Der Tanz ist aus. Mein Herz ist süss wie Nüsse, und was ich denke blüht mir aus der Haut. Wenn ich jetzt sacht mir in die Knöchel bisse, sie röchen süsser als der Sud Melisse, der rot und klingend in der Kachel braut.
Sprich nicht von Tanz und nicht von Mond und Baum und ja nicht von der Seele, sprich jetzt nicht. Mein Kleid hat einen riesenbreiten Saum, damit bedeck ich Füsse und Gesicht.
Sprich nicht von Tanz und nicht von Stern und Traum und ja nicht von der Seele, lass uns schweigen. Mein Kleid hat einen riesenbreiten Saum, darin ruht verwahrt der Dinge Sinn und Reigen.
Ich wollte Schnee sein mitten im August, und langsam von den Rändern her vergeh’n Langsam mich selbst vergessen, ich hätt’ Lust , dabei mir selber singend zuzuseh’n.
"Es gibt viele Wege zu Gott, ich habe die Musik und den Tanz gewählt." Mevlana
Gebet
Ich kann nicht tanzen, Gott, es sei den, du führtest mich. Dann aber tanz’ ich in die Liebe, aus der Liebe in die Erkenntnis, aus der Erkenntnis in den Genuss, aus dem Genuss tanze ich über alle menschlichen Sinne hinaus. Dort will ich bleiben, obwohl ich doch hier weiterstreiten muss.
Mechthild von Magdeburg, 13. Jhd.
Als alles Nacht war,
als alle Wesen noch dunkel waren,
bevor sie Wesen wurden,
war ein Tanz,
eine klare Geste,
ein Bewegung in der Nacht.
Am Anfang war der Tanz.
Der Kosmos wurde tanzend erschaffen.
und deshalb tanzen alle Dinge.
frei nach Ernesto Cardenal
Tanzlied von Martin Gutl
Tanze, Adam, tanze, Eva, tanze, o Mensch, denn du bist frei! Freigelassen von einer Schöpferhand. Du bist an kein Schicksal geschmiedet. Du bist an keine Dämonen gebunden. Du bist an keine Götter gekettet.
Tanze mit deinen Blicken und Händen! Tanze mit deiner ganzen Gestalt, tanze wie ein Sonnenstrahl im bewegten Wasser, tanze wie ein buntes Blatt im Herbst, tanze unter der Kuppel des Kosmos den Tanz eines Menschen.
Zeige in deiner Wendung das Werden des Menschen von der Gier bis zur Sehnsucht!
Und im Tanz wird sich Binde um Binde von den Augen lösen, und du wirst sehen, wie alles zufließt auf das eine Geheimnis. Und du wirst so lange tanzen, bis Himmel und Erde, ich und du eins sind. Du wirst mit deinem Tanz wie ein Stein im Wasser Ring um Ring in Bewegung setzen. Auf deinen Tanz wartet dein Schöpfer.
Tanze, oh Mensch! Du hast allen Grund zu tanzen, vor dir Unendlichkeiten!
Noch ist kein Ende im Ahnen, im Schauen, im Staunen. Noch kannst du so vieles erleiden, erzittern, erfassen, erfinden.
Greife aus – du greifst in grenzenlose All! Bleibe nicht länger in deiner Klause, tanze, wie Liebende tanzen: Tanze bis in die Herzmitte Gottes hinein!
wie schön wenn du tanzt
es drehen sich die Sinne
eins-sein mit allem
ChoRa Haiku 1/ 2005
Der Tänzer
Denn tanzen muss er dem tollen Rad verflochten gliedert er Chaos schwendet Quellen stampft zuckende Krater im Drang des grossen Taktes tanz er Gestirne
nach Bess Brenck-Kalischer
„Mitten im Alltag einen Ort der Fantasie, des Spieles und des Tanzes schaffen. Sehnsüchte, Träume, Ängste und Wünsche sichtbar werden lassen! Das Unmögliche machen – zumindest das freche Behaupten, Anstiften zur Lust am Spiel – auch am Makaberen; Skurrilen, Fremdartigen. Der Wirklichkeit ein Schnippen schlagen, wenn sie schon immer das Letzte Wort haben muss.“
Nach C. Buffo
"Stell dir vor, du hättest dich heute ins Leben vertanzt und dabei ganz vergessen, wo dir der Kopf steht: Hätte diese Situation für dich Hand und Fuss?"
C. Roemmel
Aus der Reihe tanzen
Die Bewohner einer kleinen Stadt in Russland erwarteten wieder einmal ungeduldig die Ankunft der weisen Frau, die hin und wieder in die Stadt kam, um mit den Menschen zu singen, zu tanzen und zu reden. Als sie schliesslich kam und die Bewohner mit ihr im grossen Stadthaus zusammentrafen, sangen und tanzten sie den ganzen Abend.
Am nächsten Morgen trafen sich alle wieder und die Frau setzte sich auf einen Stuhl, lächelte und sagte: „Heute wäre ein guter Tag, um etwas Aussergewöhnliches zu tun“, begann sie,„ zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit auf der Strasse tanzen, einem oder einer Unbekannten in die Augen schauen und von Liebe auf den ersten Blick sprechen, dem Chef gegenüber eine Idee vorbringen, mit der wir uns vielleicht lächerlich machen, an die wir jedoch glauben oder ein Instrument kaufen, das wir schon immer spielen wollten, aber nicht wagten.
Weise Menschen gestehen sich solche Tage zu, denn in solchen Tagen liegt Kraft und Lebensfreude!“ Dann stand sie auf, forderte die Menschen der Stadt zu diesem aussergewöhnlichen Tag auf, verliess das grosse Haus und trat ihre Heimreise an. Was geschah wohl an diesem Tag in jener Stadt? (Nach Gedanken von P.Coelho)
Es war, als hätt' der Himmel die Erde still geküsst, dass sie im Blütenschimmer von ihm nun träumen müsst.
Die Luft ging durch die Felder, die Ähren wogen sacht, es rauschten leis' die Wälder, so sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als tanze sie nach Haus.